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Mikrofon und Sound-System für Sänger

Sängerin mit Mikrofon

Wenn du singst, ist die Stimme dein Instrument. Auf der Bühne, mit einer lauten Band im Rücken, dringt deine Stimme aber nicht mehr durch. Dort brauchst du ein Mikrofon und ein Sound-System. Mikrofon plus Verstärkung: das ist das erweiterte Instrument des Sängers.

Dabei geht es nicht nur um Lautstärke – gegen eine Band ansingen können, z. B. gegen einen Schlagzeuger, der allein schon ohrenbetäubende 110 Dezibel raushauen kann. Das Mikrofon kann eine Stimme so nah an den Zuhörer heranholen, dass es ist, als säße er in einem vertraulichen Gespräch neben der Sängerin oder als flüstere sie ihm etwas zu, nur für ihn bestimmt. So gut wie jede Tonqualität unserer Stimme kann das Mikrofon, verbunden mit einem Mischpult und Lautsprechern, verstärken – von den lautesten bis zu den leisesten Tönen oder dem Flüstern.

Zwei Mikrofon-Typen
Wird es richtig laut auf der Bühne, wie bei einem Rock- oder Pop-Live-Gig, sind dynamische Mikrofone für die Front-Frau oder den Front-Mann eine gute Wahl. Sie verstärken den Stimmklang direkt vor dem Mikrofon, mit schnell abnehmender Empfindlichkeit bei größeren Abständen. Dadurch werden weiter entfernte Geräusch- oder Klangquellen wie Schlagzeug oder Instrumente kaum mehr vom Mikrofon mit übertragen, und, ganz wichtig auf engen Bühnen: Die Gefahr elektronischer Rückkopplung (Feedback) ist gering.

Für leisere Stimmen oder weichere, intimere Gesangsweisen bedeutet das: so nahe wie möglich an das Gesangsmikro herantreten. Vielleicht ist dir schon mal aufgefallen, wie ein Sänger mit seinem Mund die ganze Zeit an dem Metallgitter seines Mikrofons zu kleben scheint? Dann hatte er ein dynamisches Mikro und nutzte zusätzlich noch den sogenannten Nahbesprechungseffekt: Geht man mit den Lippen sehr nahe an ein dynamisches Mikrofon, verstärkt es den Bassbereich des Stimmklangs – der Gesang klingt voller und satter. Bei lauteren Gesangspassagen muss man umgekehrt den Abstand zum Mikro vergrößern.

Im Unterschied zu dynamischen Mikros haben Kondensatormikrofone eine hohe Empfindlichkeit, bilden dafür aber auch das Klangspektrum der Stimme naturgetreuer ab. Auch leiseste und kleinste Nuancen der Intonation, wie Hauchfluss, vocal fry (der knarrende Tonansatz) oder intime emotionale Färbungen des Tons können diese Mikros gut übertragen. Aufgrund ihrer Klarheit und Brillanz sind Kondensatormikros insbesondere im Studio bei Aufnahmen in Gebrauch.

Live sind Kondensatormikrofone z. B. im Jazz, in der Folk-Musik, im Musical (über Headsets) oder auf Kleinkunst-Bühnen im Einsatz. Zu beachten ist dabei: Herkömmliche Kondensatormikrofone benötigen eine zusätzliche Energieversorgung. Das Mischpult muss dafür mit „phantom power“ ausgestattet sein, auch erkennbar an der Aufschrift „+48v“. Einige neuere Kondensatormikrofone brauchen keine Phantomspeisung mehr, sie ist schon in die Mikrofone integriert.

Mixer und Effekte
Mikrofone sind nur das erste Glied in der Signalkette, die am Ende als Klang aus den Lautsprechern kommt. Das nächste ist das Mischpult bzw. der Mixer. Mit dem Mixer lassen sich zusätzlich, je nach bevorzugter Klangästhetik, Frequenzbereiche anheben oder absenken, z. B. kann ein dumpfer bzw. vom Mikrofon dumpf übertragener Ton mehr Brillanz bekommen, indem man den Höhen-Regler weiter aufdreht.

In den Mixer integriert sind außerdem Effekte wie Hall oder Echo. Ein leichter Hall etwa empfiehlt sich, um der Stimme mehr oder weniger Raum zu geben, die sonst allzu direkt und trocken aus dem Lautsprecher kommt. Ein weiteres Effektgerät ist der Kompressor, der den Lautstärke-Pegel des Gesangs automatisch regelt, indem er laute Stellen abpuffert und leisere Stellen anhebt. Im Musiktheater, wo der Gesang über Headset-Mikrofone übertragen wird, ist der Einsatz eines Kompressors hilfreich.

Lautsprecher und Monitor-System
Um ein Sound-System zu vervollständigen, braucht es noch einen Verstärker (soweit nicht schon ins Mischpult integriert) und Lautsprecher. Ein Klassiker ist ein Lautsprechersystem aus (a) „Sub Woofern“, großen Boxen unten für die Bass-Frequenzen, und (b) „Tweetern“ oder Satelliten, kleineren Boxen oben für die Höhen, verbunden durch eine Distanzstange.

Auch hier fehlt noch etwas Wichtiges. Bei einem Live-Gig steht das Lautsprechersystem an der Seite der Bühne und ist auf das Publikum gerichtet – von der Bühne aus verliert sich ihr Klang weit hinten im Raum. Mit dem Schlagzeug im Rücken, bei aufgedrehten Gitarrenverstärkern etc. hören wir unsere eigene Stimme so kaum, während wir singen. Mit der Folge, dass wir zu laut singen oder sogar falsch singen.

Deshalb brauchen wir zusätzlich eine Monitor-Box, die uns zugewandt auf der Bühne steht und uns beim Singen das nötige akustische Feedback gibt. Für Professionals, die auf großen Bühnen auftreten, können In-Ear-Monitoring-Systeme eine Anschaffung wert sein, auch deshalb, weil gut angepasste Ohrenstöpsel die Lautstärke auf der Bühne dämpfen. Denn, was wir immer mitbedenken sollten: Anhaltender Lärm mit einer Lautstärke ab 85 Dezibel kann bereits das Gehör schädigen, und bei Live-Gigs sind auf der Bühne Lautstärken von über 100 dB nicht selten.

Tipps für den Mikrofonkauf und einen guten Start
Es ist ein Klischee: Die Musiker schleppen ihr Equipment auf die Bühne, der Sänger kommt mit seinem Mikrofon. Sänger haben es hier leichter, sie bringen ihr Instrument, die Stimme, schon mit. Angehende Sängerinnen und Sänger, die sich auf ihre ersten Live-Auftritte vorbereiten wollen, brauchen nur ein Mikrofon, das sie an die vorhandene PA-Anlage anschließen.

Beim Kauf eines Mikrofons ist es ratsam, eine Person deines Vertrauens mitzunehmen, die ein gutes Hörvermögen besitzt. Vielleicht fragst du sogar deinen Vocal-Coach. Ich z. B. begleite meine Schüler sehr gerne, wenn sie sich ein Mikrofon kaufen möchten und berate sie dabei.

Überlege dir vorab, ob du ein dynamisches Mikro oder ein Kondensatormikrofon kaufen möchtest. Im Geschäft lässt du dir dann alle Gesangsmikrofone bringen, die für dein Budget zu haben sind. In guten Fachläden befinden sich Räume, wo du die Mikrofone an Verstärker anschließen kannst, um sie einzeln auszuprobieren. Das lohnt sich deshalb, weil nicht jedes gut bewertete Mikro auch per se ein gutes Mikro für deine Stimme ist.

Bei der Auswahl sollten dir dein Begleiter wie auch der Fachverkäufer beratend zur Seite stehen, bis du am Ende zwei Mikrofone in der engeren Wahl hast. Für die letzte Entscheidung ist es gut, zusätzlich Playbacks dabeizuhaben, bei denen du deine Stimme unterschiedlich einsetzt, mal sehr laut, mal leise – so wie du es für deinen Auftritt brauchst. Außer dem Klang spielt auch eine Rolle: Wie schwer ist das Mikro und wie liegt es in der Hand, kurz: Fühlst du dich damit wohl? So findest du bestimmt ein Mikrofon, das dich über viele Jahre begleitet und dir Freude macht.

Ein dynamisches Mikrofon ist für den angehenden Sänger oder die Sängerin ein guter Anfang (ggf. plus Mikrofonständer) sowie ergänzend eine eigene Monitor-Box. Dann kann es schon losgehen mit dem Mikrofon-Training. Unser Tipp: Mach dich als erstes mit deinem Mikrofon vertraut, indem du ein paar Dinge ausprobierst:

  • Tritt wenige Zentimeter nah vor dein Mikro. Sing eine Phrase in mittlerer Stimmlage und verändere dabei den Abstand: geh so nah heran, dass deine Lippen fast das Mikro berühren, dann langsam immer weiter weg. Höre, wie sich der Klang verändert (nah: bassig, fern: flach) und versuche, den Abstand zu finden, bei dem dir das Klangprofil deiner Stimme am besten gefällt.
  • Wiederhole das Ganze 1) mit einer sehr leisen, z. B. gehauchten oder kopfstimmigen Gesangspassage, 2) mit lauter Stimme, vielleicht eine Phrase in hoher Lage mit voller Stimme. 3) Finde heraus, wie du den Abstand zum Mikro verändern musst, um einen Song mit leisen wie lauten Passagen mit demselben Lautstärke-Output zu singen. Faustregel ist hier: bei lauteren Stellen weiter weg vom Mikro, bei leiseren näher ran.
  • Sing die Konsonanten weicher als du es ohne elektronische Verstärkung tust. Harte Konsonanten wie „k“, „p“ oder „t“, aber auch Zischlaute verursachen kleine Luftexplosionen vor deinem Mikrofon (im Englischen sinnigerweise „plosives“ genannt). Diese Plopp-Geräusche überlasten Lautsprecher und führen zu Übersteuerungen bei Aufnahmen. Sing die Konsonanten deshalb mit weniger Luftdruck, abgedämpft, d. h. ein „k“ mehr wie ein „g“, ein „p“ mehr wie „b“, das „t“ mehr wie „d“. Es ist ungewohnt, aber erlernbar: Du kannst auch in hoher Lage mit voller Stimme singen („belten“) und dabei mit weniger explosiven Konsonanten singen als du es gewohnt bist.

Viel Spaß beim Experimentieren!

Sing a Song – Be Happy!