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Vorbilder


Können Vorbilder dabei helfen, unsere Träume zu verwirklichen?

Wir alle haben große und kleine Träume. Eine Reise nach Neuseeland, Singen lernen, einmal auf einer großen Bühne stehen, doch noch studieren … Die Liste ist lang. Aber wir träumen meist nur, und schieben die Erfüllung dieser Träume weit von uns weg.

Was kann uns dabei helfen und animiert uns, aktiv an der Verwirklichung unserer Träume zu arbeiten? Eine zentrale Rolle nehmen, gerade in jungen Jahren, Vorbilder ein: jemand, mit dem man sich identifiziert, den man nachahmt oder nachzuahmen versucht.

Vorbilder leben uns ein Ideal vor, nach dessen Verwirklichung wir streben können. Sie können einen Sinn ins Leben bringen und einem Gefühl der inneren Leere entgegenwirken. In schweren Zeiten können sie uns Halt und Orientierung geben.

Ich glaube, dass jemand zum Vorbild wird, ist zumindest im ersten Moment keine bewusste Entscheidung. Es ist Prozess, der uns im besten Fall dazu befähigt, unsere Träume tatsächlich umzusetzen bzw. ihnen so nahe wie möglich zu kommen.

Wenn ich meine musikalischen Vorbilder nennen soll, ist das gar nicht so einfach für mich. Ganz früh gehörten dazu die Beatles. Besonders ihr Album Sgt Pepper’s Lonely Hearts Club Band. Mein Vater hatte, da war ich 4 oder 5 Jahre alt, ein japanisches Tonbandgerät gekauft.
Er brauchte es für seine Theatervorstellungen, zu Hause spielte er aber regelmäßig damit die Beatles und eben dieses Album. Ich erinnere mich, dass ich damals, sobald ich die Beatles hörte, wild tanzend das Wohnzimmer in Beschlag nahm.

Die ostdeutsche Plattenfirma AMIGA brachte in dieser Zeit eine eigene Jazzreihe heraus. So wurde neben den Beatles auch der Jazz zu meinem musikalischen Begleiter in Kinder- und Jugendtagen. Eine Sängerin hat mich dabei besonders beeindruckt und berührt: Billie Holiday. Auch Brecht und Weil übten damals eine große Faszination auf mich aus. Später sang ich dann auch alles, was die Hitparaden der 80er Jahre so hergaben. Es gab Zeiten, da schnappte ich mir alles, was irgendwie nach einem Mikrophon aussah, und sang die Songs, die mir gefielen, nach. Am liebsten vor dem großen Spiegel im Bad, das klang noch besser.

Als ich mit Anfang 20 regelmäßig mit einer großen Jazzband auf der Bühne stand, war ich mir meines Talents zwar sicher, aber mir war auch bewusst, dass Talent alleine mir auf die Dauer nicht weiterhelfen würde. Und da kamen meine Eltern ins Spiel …

Ich bin, wie man so schön sagt, in einem Künstlerhaushalt aufgewachsen. Für mich war es ganz normal, dass meine Eltern als Künstler tätig waren. Sie waren in ihren Berufen bekannt, geschätzt und verdienten genug, um uns als Familie ein gutes und sicheres Leben zu ermöglichen.

Natürlich hatten die Berufe meiner Eltern zur Folge, dass bei uns auch andere Künstler ein und aus gingen: Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Tänzer, Schauspieler und viele mehr. So war ich schon als Kind Zeugin anregender Gespräche, toller Partys und allem dessen, was man sich heute so unter „Bohemien Lifestyle“ vorstellt.

Aber: meine Eltern hatten auch ein strenges Arbeitsethos. Jeden Tag trainierte meine Mutter ihren Körper, um den Anforderungen als Ballett-Tänzerin gewachsen zu sein. Rückenschmerzen, Verletzungen, Ehekrise? Das spielte keine Rolle. Früh zum Training und abends zur Vorstellung. Oft von Montag bis Sonntag. Hinzu kamen noch die Matinees und Tourneen.

So bekam ich schon als Kind vorgelebt, wie wichtig eine gut abrufbare Technik ist, um auch in stressigen oder schwierigen Situationen den Ansprüchen des Publikums und den Ansprüchen an sich selbst gerecht werden zu können. Ich hatte wohl unbewusst das Vorbild meiner Eltern vor Augen, als ich mich entschloss, Gesangsunterricht zu nehmen, um mein stimmliches Potenzial weiter zu entwickeln und auf ein neues Level zu heben.

Als ich mit dem Unterricht anfing, studierte ich gerade Theaterwissenschaften und Neuere Deutsche Literatur. Schon damals war Musik ein wichtiger Bestandteil meines Lebens und obwohl ich mein Studium abgeschlossen habe, waren es letztlich die Musik und der Gesang, die zu meinem Beruf geworden sind.
Heute gebe ich meine Erfahrungen und Kenntnisse an alle weiter, die wie ich damals nach einer Möglichkeit suchen, ihre gesanglichen Fähigkeiten zu verbessern. Eine der Fragen, die ich in der Probestunde an meine Schüler und Schülerinnen stelle, ist: Was sind Deine musikalischen Vorbilder, welche Songs singst Du spontan mit, wenn Du sie hörst?

Nicht alle haben darauf eine eindeutige Antwort. Das ist auch gar nicht nötig. Es reicht oft schon, sich zu überlegen: Warum möchte ich Unterricht nehmen? Gibt es Künstlerinnen oder Künstler, die mich besonders beschäftigen oder berühren? Wie fühle ich mich, wenn ich singe? Was hat sich verändert, nachdem ich gesungen habe?

Zu singen hat mich immer glücklich gemacht. Obwohl ich auch ehrgeizig war, lag für mich nie ein Zwang dahinter, sondern einfach ganz viel Freude. Es gab Songs, die ich immer wieder gehört und nachgesungen habe, weil ich wissen wollte: Wie geht das, was machen meine Vorbilder da, was muss ich tun um auch so zu klingen? Meine Erfahrung damit war: Das macht man so lange, bis man es draufhat. Dann wird es gut, es wird zur eigenen Sprache.

Auch heute als Vocal Coach ist es mir wichtig, die Gesangstechnik nie Selbstzweck werden zu lassen, sondern sie als probates Mittel einzusetzen, um die Schüler und Schülerinnen zu befähigen, sich musikalisch so auszudrücken, wie sie es möchten: mit ihrem eigenen und unverwechselbaren emotionalen Ausdruck.

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